17. Februar 2017

VW

Schon wieder kündigt VW in den nächsten Monaten produktionsfreie Tage an. 
Wer bezahlt eigentlich für dieses Vorgehen?
Kurzarbeit wird durch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung finanziert. 
Bei der Kurzarbeit im Januar Februar mussten wir Beitragszahler für 60 % 
des Lohnes der Kurzarbeiter aufkommen, den Rest bis zur Höhe des regulären 
Gehaltes zahlte VW. Kurzarbeit bedeutet jedoch auch eine extreme Bedrohung 
der Leiharbeiter, weil das Werk in derartigen Situationen sich ihrer zu 
entledigen plant oder sie auf andere Standorte umschichten will.
Was ist die Ursache für die Absatzprobleme des VW-Werkes? Es sind die 
Fehler des Managements! Einerseits die Schädigung des VW-Images aufgrund 
des Betruges in Bezug auf die Abgaswerte, andererseits die horrenden 
Schuldzahlungen an Gerichte und Geschädigte in den USA und weltweit 
aufgrund dieses Abgasskandals. Daneben aber auch die mangelnde 
vorausschauende Planung in Bezug auf Produktionsengpässe. VW hat viele 
Produktionszweige an andere Unternehmen outgesourct und wenn die Produktion 
dann nur von einem auswärtigen Zulieferer abhängt, wie im Fall der Klappen 
für Handschuhfächer, ist das Unternehmen diesem auf Gedeih und Verderb 
ausgeliefert.
Das Management hat es auch versäumt, rechtzeitig Vorsorge zu treffen und 
die Produktionspalette zu erweitern, wenn die Nachfrage nach einem Produkt 
nachlässt, wie es anscheinend für ein Passat-Modell in Emden zutrifft.
Wie reagiert der Vorstand auf sein eigenes Versagen? Die 20 
Vorstandsmitglieder stecken ohne zu zögern weiterhin ihre Riesengehälter 
ein und versuchen, ihr Versagen zu verschleiern, indem sie einzelne 
Schuldige auf den unteren Betriebsebenen oder in den Verhältnissen suchen. 
Ein Vorstandsmitglied, dessen Aufgabe die Compliance - die Kontrolle der 
Arbeitsvollzüge bei VW - war, wird nach einem Jahr mit einer horrenden 
Abfindungssumme von über 12 Millionen plus evtl. Rente entlassen, 
möglicherweise auch mit Stillschweigen, denn sie hat der Öffentlichkeit 
nicht mitgeteilt, was sie am VW-Werk moniert und was sie fordert, um ein 
korrektes Arbeiten zu gewährleisten.
Was macht der Aufsichtsrat und wie ist er bisher seiner Ausgabe 
nachgekommen? Es scheint, er habe sich von Winterkorn und dem Restvorstand 
einlullen lassen und sich auf dem Lorbeer ausgeruht, Aufsichtsrat in einem 
der größten prosperierenden Unternehmen Deutschlands zu sein. Er hat seine 
Aufgabe nicht erfüllt. Er hat sogar weiterhin Boni für diesen Vorstand 
vorgesehen; die rückwirkende Zahlung wird zwar erst 2019 fällig, falls VW 
bis dahin wieder floriert, aber der Vorstand erfährt keinerlei finanzielle 
Einbußen. Die Einbußen an Lebensqualität, an Sicherheit an finanziellen 
Möglichkeiten erfahren nur die VW- Arbeiter und insbesondere die 
Leiharbeiter, deren Lebensperspektive bedroht ist.
Was fordern wir von Aufsichtsratsmitgliedern? Das Land Niedersachsen stellt 
zwei von den 20 Vorstandsmitgliedern, die Gewerkschaft IG Metall drei. 
Zumindest diese sollten sich dafür einsetzen, dass in Zukunft die 
Arbeitsplätze bei VW durch skandalfreies Arbeiten, durch vorausschauende 
Produktionsplanung, durch Arbeitszeitverkürzung, durch Reduzierung des 
Outsourcings und durch niedrigere Entlohnung und Renten der überzahlten 
Vorstandsmitglieder gesichert werden.